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Bauen wir hier am Laplaceschen Dämon?

Bauen wir hier am Laplaceschen Dämon?

Laplace war ein französischer Mathematiker, Physiker und Astronom, der sich unter anderem mit der Wahrscheinlichkeitstheorie und Differentialgleichungen beschäftigte.


In seinem Werk "Philosophischer Essay über die Wahrscheinlichkeit" (1814) beschreibt er den alles umfassenden "Weltgeist", das später als Laplacescher Dämon bekannt wurde:

Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Universums als Folge eines früheren Zustandes ansehen und als Ursache des Zustandes, der danach kommt. Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennt, mit denen die Welt begabt ist, und die gegenwärtige Lage der Gebilde, die sie zusammensetzen, und die überdies umfassend genug wäre, diese Kenntnisse der Analyse zu unterwerfen, würde in der gleichen Formel die Bewegungen der größten Himmelskörper und die des leichtesten Atoms einbegreifen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.


Schon bevor ich das erste mal an der Uni davon hörte, hatte ich ebenfalls in diese Richtung gedacht und war fasziniert, dass dazu schon so viele erbitterte wissenschaftliche Diskussionen geführt wurden. Nach einer mehrjährigen Pause bin ich kürzlich über den Artikel Determinismus, der Laplacesche Dämon oder warum der Ball wieder einmal knapp am Tor vorbei ging von Henry Littig im Internet gestolpert. Einmal mehr greift jemand die Theorie einer deterministischen Welt auf und macht aus dem Dämon kurzerhand einen allwissenden Supercomputer.

Lassen wir uns auf ein Gedanken-Experiment ein und überlegen ob ein solcher Supercomputer tatsächlich die Zukunft voraussagen könnte. Dazu müsste dieser natürlich über jedes subatomare Teilchen des Universums (oder aller Universen) Bescheid wissen. Ausserdem nehmen wir an, dass dieser Computer - gemäss heutigem Stand der Dinge - nicht einfach etwas wissen kann, dass er nicht vorher gemessen hat. Unser Computer müsste dann also im wesentlichen drei Operationen ausführen können:

* Den aktueller Zustand der Welt (ver-)messen
* Die Zukunft berechnen
* Die Zukunft mitteilen

Doch genau da fangen die Probleme schon an. Durch das Mitteilen der Zukunft gäbe es eine Information mehr für alle die davon hören, was wiederum eine Änderung der atomaren Struktur des Gehirns zur Folge hätte. Diese Änderung veranlasst das Gehirn als starrer Apparat der nur gewissen Regeln folgt dazu eine andere Entscheidung zu treffen. Der allwissende Supercomuputer wüsste aber natürlich auch davon und würde die Zukunft mit dieser Erkenntnis erneut berechnen und mitteilen. Aber das Problem bleibt bestehen, egal welche Zukunft der Computer uns mitteilen würde, diese würde die Zukunft ändern, wodurch erneut gerechnet werden müsste. Da dies unweigerlich in einer unendlichen Schleife enden würde widerspricht dies der Definition eines deterministischen Systems.

Nun könnte man sagen, dann kennt der Supercomputer zwar genau unsere Zukunft, sagt sie uns aber nicht. Der Supercomputer wäre aber trotzdem Bestandteil unseres Systems und müsste den selben Gesetzen gehorchen und gemäss unserer Annahme aus Teilchen unserer Welt bestehen. Damit ändert die blosse Existenz dieses Computers alles. Alles, gegenüber der wahren Zukunft, welche aus den Teilchen ohne ihn bestünde. Und selbst wenn der Supercomputer ein externes System wäre, müsste er über eine Schnittstelle auf die Informationen unserer Welt zugreifen, diese Schnittstelle wäre aber wiederum ein Eingriff auf die atomare Struktur unseres Systems. Und damit wären wir in der Quantenphysik bei Schrödingers Katze angelangt - wo jeder Versuch etwas zu messen, das Messergebnis beeinflusst.

Möglicherweise werden wir also niemals alles über unsere Zukunft wissen können, aber wir werden deswegen auch nicht aufgeben, vielleicht können wir eines Tages zumindest mögliche Zukunftsräume errechnen.

Also treten wir in die Fußstapfen des Alexander von Humboldt und beginnen damit, die digitale Welt zu vermessen!

Christian